KZ Ahlem - Gegen das Vergessen


Ergebnisse der Unterrichtsreihe: Lebens- und Arbeitsbedingungen im KZ Ahlem


1.) Leidensweg der Häftlinge

- Viele Häftlinge aus Lodz, die das Ghetto überlebt hatten, wurden nach Auschwitz gebracht. Dort wurden sie in zwei Gruppen geteilt: arbeitsfähig und nicht arbeitsfähig. Die zweite Gruppe hatte keine Überlebenschancen. Sie wurden mit Gas ermordet und verbrannt. Am 5 September 1944 wurden ca. 1000 Häftlinge aus Auschwitz nach Hannover über Stöcken ins KZ-Lager Ahlem transportiert.



2.) Aufbau des Lagers

- Das Lager in Ahlem befand sich ca. 100m nördlich der Harenbergerstraße und 500m westlich der Richard-Lattorf-Straße. Es war Eigentum der Continental-Werke. Es gab keine Wohngebiete in der Nähe, daher wurde auf Sichtschutzwände verzichtet. Es gab aber einen elektr. Stacheldrahtzaun um das Lager herum. An jeder Ecke des Lagers gab es einen primitiven Wachtturm. Vor dem Eingang stand die SS-Baracke. Im Lager selbst gab es ein gemauertes Gebäude (Toiletten/Waschraum) und vier Gebäude aus Holz.
- Krankenrevier/Wäscherei
- Block 1 und 2
- Block 3 und 4
- Block 5 und die Küche
In der Mitte des Lagers war der Appellplatz mit Latrinen.



3.) Charakter des Lagerkommandanten Harder

- Lagerkommandant Harder wurde am 25. November 1892 in Braunschweig geboren. Nach dem 1. Weltkrieg war er ein erfolgreicher Fussballspieler beim HSV. 1932 tratt er in die NSDAP ein, und ein Jahr später in die SS. Seinen ersten Wachtdienst machte er im Konzentrationslager Sachsenhausen, später im KZ Neuengamme bei Hamburg. Schließlich gelang er als Hauptscharführer und Zugführer in das KZ Ahlem in Hannover. Als seine Aufgabe sah er die Gefangenen zur Erfüllung ihrer "Arbeitspflicht" anzuhaltan an. Er war laut den Gefangenen im Vergleich zu anderen ein freundlicher Lagerkomandant. Sie hatten den Eindruck, daß er keine Ahnung von den Geschehnissen im Lager hatte.



4.) Führung und Organisation des Lagers

- Im Lager gab es etwa 60 SS-Männer, von denen etwa 50 das Lager bewachen sollten. Sie arbeiteten an den Wachtürmen im Schichtdienst, jeweils zwei Std. Wache und zwei Std. Pause. oder sie bewachten die Gefangenen auf dem Weg in den Stollen. Im Stollen selbst trieben die Kapos die Häftlinge zur Arbeit an. Die SS-Männer waren alle bewaffnet. Daneben waren noch etwa 10 SS-Männer zur Verwaltung eingesetzt.



5.) Funktionen und Kennzeichnungen der Kapos, Blockältesten und Vorarbeiter

- Im Lager gab es etwa 20 Kapos. Es waren alle deutsch kriminell und asozial, die in Konzentrationslagerhaft ihre Strafe abzusitzen hatten. Sie wurden mit grünen Winkeln und mit dem Kürzel BV(befristete Vorbeugehaft)an ihren Jacken gekennzeichnet. Die Gefangenen nannten sie jedoch Berufsverbrecher. Die Kappos hatten die Verantwortung für Küche, Krankenrevier und Wachhaus. Sie mußten die Häftlinge zur Arbeit treiben und sie auf Befehl mißhandeln bzw. "ihnen Disziplin beibringen". In jedem der fünf Blöcke gab es einen Blockältesten. Er war verantwortlich für die Disziplin im eigenen Block. Er mußte beim Appel den SS-Männern über alle Geschehnisse in seinem Block berichten. Die Vorarbeiter führten unter Aufsicht der Kappos jeweils eine Gruppe von Gefangenen zur Arbeit.



6.) Arbeitsbedingungen im Stollen

- Die Häftlinge hatten zur Aufgabe, die Gänge im Stollen zu verbreitern. Die Bedingungen unter denen sie das machen mußten waren sehr schlecht. Die Temperatur dort war ca.10 Grad, bei einer Luftfeuchtigkeit von 85%. Anfangs arbeiteten sie in drei Schichten von je 8 Std. später in zwei 12stündigen Schichten. Wöchentlich wechselte die Tag- und Nachtschicht. Alle Tätigkeiten mußten im Laufschritt verrichtet werden. Die Häftlinge durften sich nicht unterhalten. Wer gegen diese Regeln verstieß wurde geschlagen, manchmal sogar tot geprügelt.



7.) Begangene Grausamkeiten des Lagerältesten Johann-Heinrich W.

- Johann-Heinrich W. kamm als asozialer Kapo in das Lager. Er gab sich als Mörder aus, um einen größeren Respekt zu bekommen. Er war ein grausamer Mann. Er dachte sich die schlimmsten Strafen aus: Z.B. gab er Befehle zum Töten. Andere zwang er dabei zu singen. Eine seiner schlimmsten Taten war, dass Häftlinge gezwungen wurden sich in der Wäscherei selbst zu erhängen.



8.) Bedingungen im Krankenrevier

- Die Bedingungen im Krankenrevier waren katastrophal. Es gab für die ca. 1000 Häftlinge nur zwei Ärtzte. Die häufigsten Krankheiten waren Entkräftung, Verletzungen durch Mißhandlungen und Darm- und Hautkrankheiten. Es gab keine Möglichkeit die Instrumente zu sterilisieren, nur mit Kaffe oder Jod. Es gab auch kaum Medikamente. Deswegen konnte man nur wenigen Menschen helfen. Besonders schlimm war es, wenn eine Epidemie ausbrach. Viele Kranke wurden durch Injektion von Benzin umgebracht.



9.) Der Umgang mit den Verstorbenen im Gegensatz zu den noch lebenden

- Die Toten wurden in einem Müllkontainer gestapelt, bis sie von einem LKW in ein Massengrab auf dem Seelhorster Friedhof transportiert wurden. Jeder Tote wurde mit einem Stein versehen, der eine Nummer hatte. Anhand dieser Nummern wurde auch protokolliert wer wann starb. Die Todesursache wurde aber meistens gefälscht. Im Vergleich zu der sehr genauen Buchführung über die Toten, wurden die noch Lebenden wie Tiere behandelt. Man sah wohl in jedem Toten eine Art Trophäe.



10.) Die Ereignisse vom 5. bis 12. April 1945 im KZ Ahlem

- In dieser Zeit wurde das Lager evakuiert. Am 6. April verliessen ca. 600 gehfähige Häftlinge unter Aufsicht von fast allen SS-Männern das Lager. Sie wurden nach Bergen-Belsen getrieben. Die, die unterwegs zusammenbrachenoder das Tempo nicht durchhielten, wurden an Ort und Stelle erschossen. Die Kranken mußten im Lager zurrückbleiben. Diese Menschen bekammen 2 Tage später Hilfe von Mitarbeitern des DRK, ab 11.April auch von den Amerikanern. Sie wurden in das Heidehaus (Tuberkulose-Krankenhaus) gebracht und dort monate lang behandelt. Viele Einwohner von Ahlem wollten später nichts gewußt haben.


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